TheaterKlatsch #9 mit Pio Rahner

In welchem Zusammenhang stehen der Bürgerpark und die Oper L’elisir d’amore (Der Liebestrank), was ist der Konnex zwischen dem Blick auf den Bremer Altenwall und Dostojewskis Der Idiot? Das Video des Monats, mit dem sich der Fotograf Pio Rahner zwölf Produktionen unseres Spielplans videografisch nähert, hat etwas Erratisches. Und was steckt hinter den Teasern der Reihe Plan B? Wir haben also viele Fragen. Daher holen wir Pio Rahner an unseren Tisch, um mit ihm beim 9. TheaterKlatsch über seine Arbeit zu sprechen. Natürlich backen wir für ihn seinen Lieblingskuchen und servieren wieder leckersten noon-Kaffee.

26.02.2015 17 Uhr
noon / Foyer Kleines Haus
Eintritt frei!

EDVARD bei TANZ Bremen

EDVARD bei TANZ Bremen von Marcos Morau mit Carte Blanche

Der Eröffnungsabend des Festivals TANZ Bremen am 06.02.2015 im Großen Haus des Theater Bremen steht ganz im Zeichen von Krankheit und Tod. Die Farbe des Abends ist weiß. Ein weißer Vorhang grenzte einen Raum ab, in dem sich weiße Krankenhausbetten und Infusionsständer befanden. Kalt und unnahbar wirkten die Tänzer auf der Bühne.

Bild Edvard

Bild: © Helge Hansen

Der spanische Choreograph Marcos Morau setzt sich in seinem Stück „Edvard“ mit einigen Momenten aus dem Leben von Edvard Munch auseinander. Hierbei geht es weniger um die Kunst des Malers, sondern um die Frage, was hinter seiner Kunst steckt. Geprägt durch den Tod seiner Mutter und seiner älteren Schwester, bilden diese Themen oft das Zentrum seiner Bilder. Als Ausgangspunkt seines Stücks setzt Morau Munch’s Sanatoriumsaufenthalt in den Mittelpunkt.

Die Bühne verwandelt sich in ein Krankenhaus, der weiße Vorhang trennt zwei Welten voneinander. Es entstehen verschiedene Tanzmomente, in denen die Tänzer selten alleine, sondern eher zu zweit, zu dritt oder zu viert tanzen. Auch in den Momenten, in denen alle zwölf Tänzer gemeinsam tanzen, wirken sie wie ein einziger Körper, weich und fließend. Die präzise, teilweise sehr schnellen und akrobatisch ausgeführten Bewegungen führen von Zeit zu Zeit zu kurzen witzigen, aber zunehmend zu melancholisch und depressiv geprägten Momenten. Ebenso wirken die repetitiven Bewegungen der Tänzer nach kurzer Zeit monoton und kühl.

Die auf englisch live gesprochenen Tagebucheinträge von Munch bilden einen Sprachteppich, dem nicht immer gut zu folgen ist und weniger Aufschluss über Munch’s Leben gibt, als störend wirkt.

Sound- und Lichtdesign sind hervorragend aufeinander abgestimmt. Grell leuchtendes, manchmal ins bläulich abschweifende Licht gepaart mit einigen hellrot aufleuchtenden Lichtmomenten spiegeln sich in der Musik und den Geräuschen wider. Vokalmusik aus verschiedenen Epochen, Klavierwerke, Regenrauschen oder die elektronisch erzeugten Herzschläge bilden einen steten Klangteppich, der nur selten komplett verstummt.

Die hervorragende Arbeit der Tänzer von Carte Blanche wurde am Ende mit bemerkenswertem Applaus gewürdigt. Ob diese depressiv-traurige Produktion jedoch ein geeignetes Eröffnungsstück für ein solches Festival war und sich die große Portalbühne für so eine Produktion eignet, gab dem Publikum anschließend ausreichend Gesprächsstoff.

Tara Hansen

TANZ Bremen 2015

Festival vom 6.2.-13.2. im Theater Bremen, der Schwankhalle, im Theater am Leibnizplatz, in der Kunshalle, im Tanzwerk, im Kino City 46, auf dem Goetheplatz und im noon

Eine neue Auflage des internationalen Festivals für zeitgenössischen Tanz – TANZ Bremen – eröffnet heute Abend um 19:30 Uhr mit der spektakulären Deutschlandpremiere des Stücks ‘Edvard’. In dieser Choreografie für die renommierte norwegische Compagnie Carte Blanche lässt sich der spanische Shootingstar Marcos Morau von der Arbeit und dem Leben des norwegischen Malers Edvard Munch inspirieren.
Aber es treffen auch andere renommierte Choreografen auf neue Talente oder Tanzlaien auf Profis. Das Festival zeigt auch in diesem Jahr, trotz erheblich eingeschränkter finanzieller Mittel, ein vielseitiges Programm. Es besinnt sich auf den Ursprung des Tanzes und zeigt den Tanz mit all seiner grenzüberschreitenden Energie und gemeinschaftsbildenden Kraft.

Teilhaben/Teilnehmen ist das diesjährige Motto von TANZ Bremen. „Es erinnert bewusst daran, dass Tanz nicht nur eine Bühnenkunst ist,“ so Sabine Gehm, die künstlerische Leitung des Festivals, „sondern zugleich und schon sehr viel länger ein körperliches Gemeinschaftserlebnis – Ritual und Repräsentation einerseits, aber auch immer: Fest und Spiel.“

Das City 46 zeigt Filme rund um das Thema Tanz. Publikumsgespräche, Diskussionen, Trainings und Workshops begleiten die Vorstellungen und runden das Programm in gelungener Weise ab.

Das noon im Foyer des Kleinen Hauses im Theater Bremen ist zentraler Treffpunkt vor und nach den Vorstellungen und gastlicher Ort für Publikumsgespräche. Hier treffen sich Künstler, Mitarbeiter und Zuschauer zum inspirierenden Austausch rund um das Festival. Die Festivallounge ist täglich ab 14 Uhr geöffnet.

Wir TheaterVerstärker sind vor Ort und lassen euch an unseren Eindrücken und Erfahrungen teilhaben.

„Vom Suchen und Scheitern einer großen Liebe“ – Uraufführung Anna Karenina am Theater Bremen

Erstaunlich viele Menschen sitzen heute Abend in dem Einführungsvortrag und lauschen den Worten und Erklärungen des Leitenden Dramaturgen des Musiktheaters, Ingo Gerlach, zur Uraufführung „Anna Karenina“. Sie alle werden auf den eigenartigen und außergewöhnlichen Abend eingestimmt.

Denn wer „Anna Karenina“ hört, denkt an einen dicken Schinken von Buch mit 1200 eng bedruckten Seiten von Leo Tolstoi mit einer enorm komplexen Handlung. 2008 schrieb der Regisseur Armin Petras eine wesentlich kürzere Schauspielversion für das Maxim Gorki Theater in Berlin, die lediglich 80 Seiten umfasste. Mit der Verwandlung von Petras-Libretto in eine Opern-Partitur durch die Komponisten Thomas Kürstner und Sebastian Vogel verkürzte sich der Text um weitere 50 Seiten, jedoch um eine Ebene erweitert: die musikalische Ebene. Ebenso unterschiedlich wie die Emotionen, Sehnsüchte und Lebensentwürfe der drei Paare auf der Bühne sind, genauso unterschiedlich sind die Musikstile, die die beiden Komponisten in einem komplexen Klangteppich miteinander verbinden. So erklingen Zitate von Bach und der elektronischen Popmusik, sowie Elemente aus der Minimal-Musik, der Operette, dem Oratorium und dem Musical. Zudem haben die beiden Komponisten Klänge und Geräusche aus Bremen aufgenommen, wie beispielsweise das für alle Bremer bekannte und immer wiederkehrende Geräusch des Regens. Drei Atmosphären haben die Komponisten für diese Oper geschaffen, in der sich nicht nur die drei Paare (Anna/Karenin/Wronski, Lewin/Kitty/Wronski und Dascha/Stefan) widerspiegeln sondern auch die Gefühle von Liebe, Eifersucht und Rache.

Die Bühne wird durch eine Holzwand auf Streben dominiert, auf die einerseits schwarz-weiße Bilder projiziert werden, die einen assoziativen Charakter aufweisen und die drei Atmosphären untermauern: Meereswellen stehen für die schwankenden Leidenschaften, sich im Wind bewegende Bäume als Zeichen der Melancholie und Bilder aus Bremen, die der Liebe einen gesellschaftlichen Zusammenhang bieten. Andererseits agieren die Sänger auch hinter dieser Holzwand, weswegen bei bestimmten Interaktionen das Bühnengeschehen wie eine Art schwarz-weiß Stummfilm mit einer Live-Kamera auf die Wand übertragen wird. So kann der Zuschauer auch die an sich durch die Holzwand und Streben halb- verdeckte Handlung verfolgen. Eine in sich sehr stimmige Vorgehensweise (Bühne: Susanne Schuboth und Video: Rebecca Riedel).

Immer wieder tritt der Chor (Einstudierung: Daniel Mayr) als bunt gemischter Haufen von Hausfrauen, Bauern und Arbeitern auf. Aufgrund seiner Funktion als epischer Erzähler und Kommentator wirkt der Chor einfallslos gestellt und nimmt nur selten am Bühnengeschehen teil. Erweitert wird der Opernchor im Laufe des Abends durch einen Kinderchor (Kinderchorleitung: Jinie Ka). Leider war die musikalische Qualität der Bremer Philharmoniker, die unter der Leitung von Clemens Heil spielten, an diesem Abend schwach und vor allem an solistisch offenen Stellen war die Qualität nicht den Erwartungen entsprechend.

Besondere Anerkennung hingegen verdient die Frau, die für den Traum vom ganz großen Glück ihren Mann und ihr Kind aufgibt: Anna Karenina. Am Ende dieses Opernabends steht Anna Karenina alleine auf der kargen Bühne, gezeichnet von ihrem Leidensweg und singt eine große Gefühlsarie. Insbesondere in dieser letzten großen Arie arbeitet die (hochschwangere) Sopranistin Nadine Lehner beeindruckend mit ihrer Stimme und vermittelt dem Publikum ihre aussichtslose Situation – bis zum bitteren, abrupten Ende. Das Scheitern ihrer eigenen Liebe fasst sie zusammen mit „Ich glaube, ich werde wahnsinnig“. Ihr stehen Hubert Wild als Wronksi, Christoph Heinrich als Lewin und Patrick Zielke als Karenin mit ihren brillant tiefen (Bass-) Baritonstimmen zur Seite. Weniger überzeugend sind die Figuren der Kitty (Nerita Pokvytite) und Dascha (Nathalie Mittelbach) – stimmlich, sowie schauspielerisch. Doch nicht nur SängerInnen stehen auf der Bühne, sondern auch der Schauspieler Martin Baum, der den Stefan verkörpert und versucht das Publikum in seinem Monolog vor der Macht der Gier zu warnen. Ein gelungener Ansatz eines genreübergreifenden Werks durch den Regisseur Armin Petras.

Tara Hansen

TheaterKlatsch zu intransit?

Der erste TheaterKlatsch im neuen Jahr greift die Schwerpunktreihe in transit? auf und lädt dazu ein, mit den beiden Kuratorinnen der Reihe, den Dramaturginnen Katinka Deecke und Regula Schröter ins Gespräch zu kommen. in transit? thematisiert auf unterschiedlichste Weise und in verschiedenen Formaten die Themen Flucht und Migration, aber welche Visionen stecken hinter diesem Spielzeitschwerpunkt? Die TheaterVerstärker laden herzlich ein, Fragen zu stellen und Gedanken zu äußern. Selbstgebackener Kuchen und fantastischer Kaffee – ein großes Dankeschön an das noon – runden die Atmosphäre ab.

30.01.2015 17 Uhr
noon / Foyer Kleines Haus
Eintritt frei!

Zigaretten und Milch in Zeiten des Krieges

Eine junge Frau steht einsam in der Mitte der Bühne. Beziehungsweise dort, wo früher im Krieg ein vermientes Feld war und sich noch immer eine brachliegende Grenzzone befindet. So beginnt Konradin Kunzes Inszenierung von Abzählen, dem preisgekrönten Roman der georgischen Autorin Tamta Melaschwili (Georgischer Literaturpreis Saba 2011 und Deutscher Jugendliteraturpreis 2013). Rückblickend werden drei Tage im Leben der 13-jährigen Freundinnen Ninzo (Meret Mundwiler) und Zknapi (Marina Lubrich) erzählt, die sich in Zeiten des Krieges in einer zerrütteten Welt zurechtfinden müssen. Die Väter sind in die Armee berufen worden und zurück bleiben die Alten, Schwachen und Kranken; die Frauen und Kinder. Abseits der Front herrschen Lebensmittel- und Materialknappheit und die heranwachsenden Mädchen müssen lernen, Verantwortung für ihre Familien zu übernehmen und mit den Unsicherheiten der Pubertät alleine zurechtkommen. Während Ninzo (Meret Mundwiler) ihre sexuellen Reize erprobt und sich Zigaretten von den Grenzsoldaten erschnorrt, sorgt sich Zknapi vor allem um ihre Mutter und ihren kleinen Bruder, der zu verhungern droht.

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Meret Mundwiler und Marina Lubrich als Ninzo und Zknapi in Abzählen. Foto: Jörg Landsberg

Auf der Bühne im Kleinen Haus spiegeln sich bei der Premiere die Wirren des Krieges deutlich auf der Bühne wider. Unablässig regnen Kleider, Büschel von Spitzwegerich und Milch vom Schnürboden herunter, bis der Boden bedeckt ist und auf der Bühne ein bedrückendes Durcheinander herrscht durch das sich die Darsteller ihre Wege bahnen müssen (Bühne und Kostüm: Léa Dietrich). Stroboskoplicht und Musikfetzen (Musik: Jan Beyer) zerschneiden die Handlung in unregelmäßigen Abständen wie das Donnern der Gewehrsalven an der Nahen Front. Meret Mundwiler und Marina Lubrich fühlen sich wunderbar in die Geschichte und Gefühlswelt der jungen Mädchen ein. Susanne Schrader überzeugt als Zknapis kummervoll apathisch umherschleichende Mutter. Das von Tomas Bünger einstudierte choreographische Konzept wirkt an einigen Stellen aufgesetzt, unterstreicht jedoch größtenteils effektvoll die Selbstverlorenheit der Figuren in ihren eigenen Ängsten und Sorgen, indem er sie in tranceartigen Schrittfolgen über die Bühne schreiten lässt.

Konradin Kunze inszeniert am Jungen Theater mit Abzählen ein zeit- und ortloses Stück über Freundschaft und die Auswirkungen des Krieges auf die Zivilbevölkerung und erntet bei der Premiere kräftigen Applaus.

Simone Ehlen

»Die Meistersinger von Nürnberg« – ein Gastbeitrag von Max Koch

Theater Bremen am 21.09.2014
Regie: Benedikt von Peter
Musikalische Leitung: Markus Poschner
Bühne: Katrin Wittig
Kostüme: Geraldine Arnold

»Verachtet mir die Meister nicht und ehrt mir ihre Kunst« verkündet Hans Sachs am Ende der Festwiese, vollkommen zentriert auf der menschenleeren Bühne. Doch Regisseur Benedikt von Peter öffnet mit dieser Schlussansprache eine neue Dimension der Sicht auf Richard Wagners einzige komische Oper aus dem Jahr 1868. Denn in dieser Inszenierung steht nicht nur der Kunstkonflikt und das in zwei Lager geteilte Nürnberg im Zentrum, sondern die Beziehung zwischen dem gewalttätigen Hans Sachs und der bei ihm eingesperrten Eva, der Tochter Veit Pogners. Man erinnert sich nur zu gut an Fälle wie den der Natascha Kampusch. Schon während dem Vorspiel zum ersten Akt sieht man Eva allein, zusammengekauert, auf einem Plateau über dem Orchestergraben liegen. Ein Kinderzimmer samt Leselampe, Decke, Märchenbuch und Ritterfigur ist zu erahnen. Doch sie kann nicht flüchten, sie ist eingesperrt von ihrem Peiniger Sachs (beeindruckende Leistung: Claudio Otelli) – was ihr bleibt, ist der Traum. So entflieht sie in ferne Märchenwelten und wünscht sich einen Ritter herbei, um sie aus ihrer Gefangenschaft zu befreien. Sachs wird zwar als ihr Peiniger dargestellt, doch steht er stellvertretend für das Trauma, das eine Frau mit diesem Schicksal erleiden muss, denn nicht nur einmal gehen die anderen Meister als Traumfiguren wie Tiere auf Eva los, bereit ihre Lust zu stillen und sie sich zu nehmen. Doch es gibt eine vermeintliche Rettung: Der Ritter Walther von Stolzing wird instrumentalisiert und fungiert als Retter Evas aus der Qual. Und Sachs lässt sie sogar am Ende gehen – sie ist frei. Leider trügt der Schein: Denn während der letzten Takte wird wieder ein kleines Mädchen eingeschlossen. Es scheint, als würde alles wieder von vorne beginnen. Der triebgesteuerte Täter kann sich nicht von seinen Fantasien lösen, vom Wahn, wie ihn Sachs selbst in seiner Stube benennt. Doch immer wieder kann man dezente Anzeichen der Reue bemerken. Sicher ist aber dennoch, dass die Gefangene Eva ihr Schicksal nie vergessen wird und das Bild des Täters wohl für immer in ihrem Kopf vorhanden bleibt.

Benedikt von Peter gelingen zwar einige starke Bilder, besonders der dritte Akt und die Prügelfuge werden lange im Gedächtnis bleiben, doch stiften die beiden Welten leider allzu oft Verwirrung. Wann befindet sich wer in welcher Welt? Und warum interagieren Sachs und Eva manchmal mit Figuren aus der Traumwelt und manchmal nicht, obwohl sie sich auf der gleichen Spielebene befinden? Und wie ist in diesem Konzept letztlich das Ende, also die Befreiung Evas durch eine Traumfigur, zu deuten? Ist es nur ihr Wunsch, der aber doch nie in Erfüllung gehen wird? Viele Fragen bleiben offen, womöglich müsste man die Bremer Meistersinger noch einmal sehen, um das durchaus interessante Konzept wirklich durchdringen zu können. Nach dem ersten Eindruck allerdings fehlt es leider oft an Konsequenz und szenischer Klarheit. Diese Klarheit gibt es aber dafür umso mehr bei der Bühnengestaltung. Dem wie schon erwähnten Plateau schließt sich ein das Portal einschließendes Gerüst an, in welchem sich die Häuser der Meister befinden. Dahinter erst spielen die Bremer Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Markus Poschner.

Poschner musste vertrauen, vertrauen darauf, dass der Klang irgendwie ausbalanciert beim Publikum ankommt. Doch oft spielt das Orchester sehr laut und mächtig, was dazu führt, dass man die sehr angestrengten Sänger teilweise kaum noch versteht. Und auch das genaue Gegenteil trifft ein: In den großen Chorszenen im zweiten und dritten Akt werden die Philharmoniker von den Klangmassen der Chöre und Solisten übertönt, was besonders bei der Prügelfuge zum Auseinanderfallen der Stimmen führte. Hier hätte man überlegen sollen, ob man für das doch sehr große Orchester nicht einen anderen Platz hätte finden können. In Bremen ist man in dieser Hinsicht doch immer sehr kreativ. Dennoch gebührt Herrn Poschner ein großes Lob, sich überhaupt auf diese sehr außergewöhnliche Situation einzulassen.

Es ist durchaus interessant, der ganzen Kunstdiskussion noch eine sehr private und intime Ebene hinzuzufügen, doch muss man sagen, dass dieser Regiegriff nicht immer funktioniert. In diesem doch sehr makabren Nürnberg erzeugt die zusätzliche Traumebene mehr Verwirrung als Klarheit und erzählt leider auch nicht viel Neues. Ohne diesen Rahmen hätte von Peter sein Konzept womöglich stringenter erzählen können. Nichts desto trotz sollte man sich diese Produktion nicht entgehen lassen. Dem Theater Bremen und nicht zuletzt der wirklich guten Sängerriege gebührt viel Lob für diesen Kraftakt. Auf ein Neues!

Max Koch studiert Musiktheaterregie an der HfMT Hamburg.