Così fan tutte

Theaterverstärker Juni 2013--6

Dramma giocoso in zwei Akten von Wolfgang Amadeus Mozart. Text von Lorenzo da Ponte

Mit der Komposition zu Così fan tutte begann Mozart 1789. Im selben Jahr fing mit dem Sturm auf die Bastille die Französische Revolution an. Und so stürmisch es dort zuging, so geht es auch in der Gefühlswelt der Beteiligten in Mozarts Oper zu.

Die beiden Offiziere Ferrando und Guglielmo sind sich der Treue ihrer beiden Verlobten Dorabella und Fiordiligi sicher und lassen sich auf eine gewagte Wette mit dem befreundeten Philosophen Don Alfonso ein. Einen Tag sollen die beiden machen, was Alfonso ihnen sagt, und sie werden sehen, dass ihre Frauen nicht treu bleiben werden. Hierzu holt Alfonso sich Hilfe von Despina, dem Hausmädchen der beiden Schwestern. Siegessicher gehen Ferrando und Guglielmo die Wette ein. Sie gaukeln vor, in den Krieg ziehen zu müssen, und kommen als verkleidete Fremde wieder zurück.

Die beiden fangen an, der jeweils anderen Frau den Hof zu machen. Anfangs noch standhaft, fangen Dorabella und Fiordiligi an zu zweifeln, als Ferrando und Guglielmo vortäuschen sich vergiftet zu haben. Wo Dorabella schon längst schwach geworden ist, bleibt Fiordiligi zunächst noch unnachgiebig. Erst als Ferrando droht sich umzubringen gesteht sie ihm ihre Liebe.

Regisseur Laurent Chétouane versucht durch wenige, aber genau gesetzte Details, seine Interpretation des Stücks zu übermitteln und setzt auf die schauspielerische Leistung der Sänger und Sängerinnen. Die Bremer Philharmoniker unter der Leitung von Clemens Heil befinden sich nicht im Orchestergraben, sondern fast auf Augenhöhe mit dem Publikum. Um sie herum agieren die Sänger und Sängerinnen. Teils befinden sie sich auch unmittelbar im Publikumsbereich.

Der Großteil der Bühne wird von metallenen Ventilatoren eingenommen, die je nach Gefühlslage der ProtagonistInnen mal stärker, mal schwächer blasen. Sie unterfüttern das Gefühlschaos von Liebe und Begehren. Hinzu kommen die ausdrucksstarken Blickwechsel und die sich ständig wechselnden Personenkonstellationen, die die Verwirrung der Personen verdeutlichen. Anspielungen auf die Französische Revolution lassen sich erahnen, als Despina (als Ärztin verkleidet) aus ihrer Tasche ein Handtuch in den Nationalfarben Frankreichs zieht.

Die Aufführung kann nicht nur durch die schauspielerische Leistung punkten, sondern auch durch das sehr schön harmonierende Ensemble. Nadine Lehner als Fiordiligi verleiht ihrer Rolle so eine Ausdrucksstärke, dass man bei der „Felsenarie“ das Gefühl bekommt, Ferrando werde vor Angst die Bühne verlassen. In den Duetten mit Ulrike Mayer als Dorabella harmonieren beide Stimmen perfekt. Ferrando wird von Luis Olivares Sandoval als Tenor überzeugend dargestellt und gibt seiner Figur auch eine sanfte Art. Martin Kronthaler als Guglielmo zeigt mir seinem Bariton Präsenz.

Marysol Schalit nimmt in dem Stück die leicht überzogene Rolle der Desipna ein. Verkleidet als Ärztin oder als Notarin überzeugt die Sopranistin durch ihr schauspielerisches Talent. Ihre Figur wirkt frech und sehr selbstbewusst. Don Alfonso, der von Christoph Heinrich dargestellt wird, zeigt sich als Aufklärer. Man schreibt ihm keinen bösartigen Charakter zu. Vielmehr vermittelt er einen intellektuellen, vorausahnenden Mann, der durch das Experiment seine These „Così fan tutte“ – „So machen es alle Frauen“ – belegen will.

Sonja Gerling

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