„Entschuldigung, ich bin zu spät!“- Zu Dea Lohers Unschuld

Akzeptieren, dass ich niemals zum elitären Kreis der glücklichen Premierengäste gehören werde, die Dea Lohers „Unschuld“ in der Originalversion von Alexander Riemschneider sehen durften, kann ich nur schwer. Tröstlich aber, dass ich trotz der nachträglichen Änderungen an der Inszenierung,  eine der besten der aktuellen Spielzeit sehen durfte.

Die beiden illegale Auswanderer Fadoul und Elisio sehen einer jungen Frau beim Ertrinken zu. Sie trauen sich nicht, sie zu retten, weil sie Angst davor haben, dass sie in ihrer Illegalität ertappt und abgeschoben werden. \ Frau Habersatt dringt in eine um ihre Tochter trauernde Familie ein und behauptet, die Mutter des  Mannes zu sein, der ihre Tochter getötet hat. Später kommt raus, dass sie vor vielen Jahren eine Fehlgeburt erlitt und nun die Möglichkeit, dass ihr Sohn ein Schwerverbrecher geworden wäre, auslebt. \ Frau Zucker hat Diabetes und ist unzufrieden mit ihrem Leben, wie es wirklich gelaufen ist. Deswegen zwängt sie sich in das beengte Leben und die noch beengteren Wohnverhältnisse ihrer Tochter und ihres Mannes und quält sie mit ihren „Hätte ich doch…, wäre ich doch…“-Phantasien. \ Die junge blinde Tänzerin Absolut wünscht sich nichts sehnlicher als Sehen zu können. Fadoul versucht ihr diesen Wunsch mit gefundenem Geld zu erfüllen. Absolut bleibt jedoch blind.

Inmitten all dieser Geschichten des Scheiterns springt irgendwann die Tür auf und Ella, die alternde Philosophin, die in den letzten Wochen für so viel Wirbel im Bremer Theater gesorgt hat, kommt schnellen Schrittes mit ihrem Mann Helmut im Schlepptau herein, ruft „‘tschuldigung – ich bin zu spät!“, springt selbstsicher auf die Bühne und erklärt dem Publikum, was die Welt im Innersten zusammenhält. Die Wissenden unter ihnen lachen: Eine charmante und witzige Lösung, die scheinbar so unverzichtbare Ella im Nachhinein noch einzubauen.

Nötig gewesen, wäre Ella wohl nicht: Das Stück hätte sicher auch ohne sie wundervoll funktioniert. Es ist jedoch schön zu sehen, dass sie dem Stück- entgegen vieler Befürchtungen- auch keinerlei Abbruch tut.

Weitere Vorstellungen: 1.11., 15.11., 23.11., 20.12., 28.12.

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