Funny How von Samir Akika

Singing Lalalalalalalala

Ein Panda breakdanced auf der Bühne, nachdem er das Geschehen auf derselbigen aus dem Zuschauerraum beobachtete und das Publikum mit Popcorn bewarf. Muss ich noch mehr sagen? Samir Akika und seine Unusual Symptoms präsentieren einen herrlich klamaukigen Abend. Den Beginn macht ein Comedian mit Konservenlachern, die animierend aus dem Hintergrund eingespielt werden. Was genau darauf folgte ist für mich schwer zu rekonstruieren, denn einen roten Faden sucht man in diesem Stück vergeblich. Aber das ist gar nicht schlimm. Der Abend ist so bunt und unterhaltsam, dass man eine Storyline nicht vermisst. Zwischenzeitlich fühlt der Panda sich von einem Plastikgorilla mit Luftballon bedroht, ein Mann betritt die Bühne, nur mit einer Socke über dem Penis, Comicsprechblasen werden hochgehalten, es gibt Exkurse in Zusammenarbeiten mit anderen Choreografen und auch einen äußerst ernsten Vortrag über die die Geschichte des Slapstick. Diese wird währenddessen zahlreich auf der Bühne illustriert. Vergessen wir jedoch nicht die großartigen Tänzer, die wie bunte Flummibälle über die Bühne sausen und den Abend zu einem Spektakel werden lassen. Ein besonders schöner Moment: Wenn hunderte bunter Gummibälle vom Himmel rieseln, während eine Tänzerin endlose Pirouetten darin dreht. Worum es geht, kann ich nicht wirklich sagen. Aber unterhalten wurde ich auf jeden Fall ganz großartig. Die Inszenierung entlässt einen mit einem Lächeln, wenn nämlich Spiderman, Geist und andere skurrile Gestalten in goldenen Cowboyboots zu Iggy Pops „The Passenger“ über die Bühne wirbeln.

Theresa Mattusch

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Witzig ist witzig – Funny, how?

Lachen ist ein menschlicher Reflex. Reflexe haben die Eigenheit ohne eine rationale Entscheidung zu funktionieren, sind wir also nicht dafür verantwortlich worüber wir lachen? In Funny, how? lassen Samir Akika und seine Tänzer ein Feuerwerk aus Lachreflexen auf das Publikum nieder. Stürzende Clowns, zotenreißende Selbstdarsteller, entblößte Körper und obszöne Gesten, all das funktioniert und das Publikum lacht. Unaufhaltsam passiert etwas auf der Bühne, die Tänzer rennen, springen und stürzen. Dann erscheint ein großer Panda auf der Bühne, der eine Kettenreaktion aus Backpfeifen in Gang setzt, während er es sich mit Popcorn auf oder neben dem Publikum bequem macht. Menschen, die sich Backpfeifen geben? Auch das klappt, das Publikum lacht. Zwischendurch wird immer wieder eine kleine Bühne mit Musikinstrumenten eingefahren und musikalisch etwas ruhigere Töne angeschlagen. Das bietet Zeit zum Luft holen.

Nach einiger Zeit stellte sich bei mir eine leichte Klamauküberreizung ein und das Lachen fiel mir zunehmend schwerer. In der Mitte des Stückes löst Akika diese Irritierung auf, in dem er in einem textlichen Teil die theoretischen Fragen der Komik aufwirft und hinterfragt. Ist Schadenfreude wirklich lustig? Warum lachen wir darüber wenn andere Leute sich blamieren, entblößen oder verletzen? Dabei wird auch zu dem Urgestein der komischen Genre, dem Slapstick Bezug genommen und auf der Bühne von den Tänzern in zahlreichen Stürzen und Schlägen verdeutlicht. Dieser Exzess steigert sich bis hin zu Bombenexplosionen und Motorsägenmassakern, die an Szenen aus bekannten Comicserien erinnern. Schließlich wird zum Ende des Stücks auch die Kehrseite der Komik betrachtet. In einem Regen aus bunten Gummibällen tanzt eine einzelne Tänzerin, das ist nicht nur wunderschön anzusehen, sondern verdeutlicht, das sich hinter jeder komischen Fratze auch Einsamkeit und Trauer verstecken können. Ein Highlight zum Ende ist die Breakdanceeinlage des Pandas, das muss nicht hinterfragt werden, das ist einfach nur lustig. Schließlich reihen sich die Darsteller zu einem finalen Tänzchen zu „Passenger“ von Iggy Pop auf. Samir Akika hat es geschafft Tanz mit Komik zu verbinden und dabei diese Komik auch zu hinterfragen. Ich habe das Theater auf der einen Seite sehr amüsiert, aber auch nachdenklich verlassen.

Elena Tüting

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