TheaterKlatsch zum Thema „Sinn und Sinne im Theater“

…Und es wird weiter geklatscht, diesmal allerdings lautlos mit den Händen drehend in der Luft. Denn am vergangenen Donnerstag ging es beim TheaterKlatsch um das Thema Sinn und Sinne im Theater, genauer gesagt drehte sich alles um Theater für Gehörlose und vor allem um Theater mit Gehörlosen. Ein Thema, dass viele Menschen zu interessieren scheint, neben den geladenen Gästen, kamen noch rund 30 Zuhörer und Mitdiskutierer an unsere Kaffeetafel, so dass unsere gemütlich hergerichtete Ecke im 2012 spontan um zusätzliche Sitzreihen ergänzt werden musste. Auch wenn sich dadurch nicht jeder ein luxuriöses Plätzchen mit Kaffeetasse vor der Nase ergattern konnte, war es ein schöner Anblick, zu sehen, dass unser Format Anklang findet.

Im Mittelpunkt des Gesprächs stand das Stück „Wach geklopft. Träume lauern purpurrot“ vom Second Hand Theater Bremen. Dieses Theater ist die erste inklusive Theatergruppe mit hörenden und gehörlosen Akteuren. Gegründet wurde das Second Hand Theater von den beiden Studentinnen Annika Jobski und Annika Meyer, die uns zusammen mit einigen gehörlosen SchauspielerInnen des Stücks von der Arbeit an selbigem, und den Problemen, die sich während dessen gezeigt haben, erzählten. Außerdem war Dr. Thomas Vollhaber vom Institut für deutsche Gebärdensprache in Hamburg zu Gast, der zwar hörend ist, allerdings seit über 20 Jahren „in der Welt der Gehörlosen lebt“. Ihm gelang es erstaunlich gut uns Hörenden, die größtenteils auch keine Berührungspunkte mit der Welt der Gehörlosen haben, eben diese Welt ein Stück näher zu bringen.

Vor der Kaffeetafel saßen schließlich auch zwei Übersetzerinnen für Deutsche Gebärdensprache (DGS), die uns die Kommunikation untereinander erst möglich machten. Anfangs befürchtete ich, dass diese Kommunikations-Situation schwierig oder befremdlich sein könnte, doch meine Befürchtungen lösten sich sehr schnell in Luft auf: Trotz der stillen Kommunikation seitens der gehörlosen Schauspieler, war diese erstaunlich lebendig, erfrischend und witzig.

Vor der Veranstaltung habe ich mich gefragt, ob und wie Theater funktionieren kann, wenn ein essentieller Teil der Inszenierung, nämlich die Geräusche und die Sprache, wegfällt. Nicht nur überraschend sondern auch belustigend fand ich die nüchterne Antwort der Gehörlosen: „Meistens nicht“. DGS-Übersetzer im Theater wirken häufig nur störend, weil die gehörlosen Zuschauer dann oft nicht wissen, wo sie hinschauen sollen. Untertitel seien dann meist eine bessere Lösung. Und Tanztheater? „Ja, nee. Also Tanztheater ist ja so gar nicht meins“, gibt einer aus der Runde trocken zu. Eine gute Alternative sei da meist nur Theater, das speziell für Gehörlose konzipiert wurde, „Und in diesen Stücken, fühle ich mich als Hörender dann wiederum völlig fehl am Platz und das obwohl ich der Gebärdensprache mächtig bin“, berichtet Thomas Vollhaber. Eine verzwickte Situation, aber zumindest an diesem Nachmittag hat der Zusammenstoß beider Welten ganz wunderbar funktioniert!

P.S.: Chefdramaturg Benjamin von Blomberg nahm aus der Diskussion die Überlegung mit, Stücke des Theater Bremen, die besonders für Gehörlose geeignet sind mit einem speziellen Symbol im Spielplan zu kennzeichnen und sucht dafür Gehörlose, die sich bereit erklären, alle Stücke anzuschauen und sie nach dem Grad ihrer Geeignetheit zu beurteilen. Falls Ihr jemanden kennt, oder euch sogar selbst dafür bereit erklären würdet, meldet euch gerne bei uns oder direkt bei ihm!

Laura Höfler

 

Der nächste TheaterKlatsch findet am 22. Mai, um 17 Uhr im 2012 (Foyer im Kleinen Haus) statt. Zu Gast sein werden Ensemblemitglieder des Theater Bremen sowie Schauspielstudierende der Theaterakademie Hamburg. Wir freuen uns auf Euch!

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Ein Gedanke zu “TheaterKlatsch zum Thema „Sinn und Sinne im Theater“

  1. Hallo,
    ich arbeite im Vorstand des Vereins der Theaterfreunde mit und würde gerne mit Euch, dem Theaterverstärker, ausloten, ob wie es Möglichkeiten der Zusammenarbeit geben kann. Freue mich auch eine Rückmeldung.
    Viele Grüsse
    Rainer Glaap

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