EDVARD bei TANZ Bremen

EDVARD bei TANZ Bremen von Marcos Morau mit Carte Blanche

Der Eröffnungsabend des Festivals TANZ Bremen am 06.02.2015 im Großen Haus des Theater Bremen steht ganz im Zeichen von Krankheit und Tod. Die Farbe des Abends ist weiß. Ein weißer Vorhang grenzte einen Raum ab, in dem sich weiße Krankenhausbetten und Infusionsständer befanden. Kalt und unnahbar wirkten die Tänzer auf der Bühne.

Bild Edvard

Bild: © Helge Hansen

Der spanische Choreograph Marcos Morau setzt sich in seinem Stück „Edvard“ mit einigen Momenten aus dem Leben von Edvard Munch auseinander. Hierbei geht es weniger um die Kunst des Malers, sondern um die Frage, was hinter seiner Kunst steckt. Geprägt durch den Tod seiner Mutter und seiner älteren Schwester, bilden diese Themen oft das Zentrum seiner Bilder. Als Ausgangspunkt seines Stücks setzt Morau Munch’s Sanatoriumsaufenthalt in den Mittelpunkt.

Die Bühne verwandelt sich in ein Krankenhaus, der weiße Vorhang trennt zwei Welten voneinander. Es entstehen verschiedene Tanzmomente, in denen die Tänzer selten alleine, sondern eher zu zweit, zu dritt oder zu viert tanzen. Auch in den Momenten, in denen alle zwölf Tänzer gemeinsam tanzen, wirken sie wie ein einziger Körper, weich und fließend. Die präzise, teilweise sehr schnellen und akrobatisch ausgeführten Bewegungen führen von Zeit zu Zeit zu kurzen witzigen, aber zunehmend zu melancholisch und depressiv geprägten Momenten. Ebenso wirken die repetitiven Bewegungen der Tänzer nach kurzer Zeit monoton und kühl.

Die auf englisch live gesprochenen Tagebucheinträge von Munch bilden einen Sprachteppich, dem nicht immer gut zu folgen ist und weniger Aufschluss über Munch’s Leben gibt, als störend wirkt.

Sound- und Lichtdesign sind hervorragend aufeinander abgestimmt. Grell leuchtendes, manchmal ins bläulich abschweifende Licht gepaart mit einigen hellrot aufleuchtenden Lichtmomenten spiegeln sich in der Musik und den Geräuschen wider. Vokalmusik aus verschiedenen Epochen, Klavierwerke, Regenrauschen oder die elektronisch erzeugten Herzschläge bilden einen steten Klangteppich, der nur selten komplett verstummt.

Die hervorragende Arbeit der Tänzer von Carte Blanche wurde am Ende mit bemerkenswertem Applaus gewürdigt. Ob diese depressiv-traurige Produktion jedoch ein geeignetes Eröffnungsstück für ein solches Festival war und sich die große Portalbühne für so eine Produktion eignet, gab dem Publikum anschließend ausreichend Gesprächsstoff.

Tara Hansen

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Ein Gedanke zu “EDVARD bei TANZ Bremen

  1. Ich fand „Edvard“ nicht nur für eine Festivaleröffnung ungeeignet, sondern auch misslungen. Manche der choreographischen Ideen bzw. dramaturgischen Ansätze konnte ich nachvollziehen, aber im Zusammenspiel ging für mich das Ballett nicht auf. Der Dauerlärm aus Geräuschen sollte wohl den Lärm, die Verstörung in Edvard Munchs Kopf, seine Verwirrung ausdrücken, erläutert über die parallel zu den Geräuschnebeln gespochenen Texte aus seinen Tagebüchern. Im ersten Rang waren die Texte wegen des Grundlärms selten zu verstehen. Die eingestreuten Explosionen der Geräuschkulisse könnten Momente der Klarheit oder von Leiden sein. Das Krankenlager mit seiner Schwester oder Mutter in seinen Wiederholungen war mir nicht sonderlich erhellend. Das häufige Bettenbalett hatte für mich eigentlich nur bei seinem ersten Auftritt durch den Vorhang Reiz. Grosse Abschnitte stand oder sass das Ensemble nur auf bzw. neben den Betten. Das Warten an Krankenbetten ist zwar sicherlich eine realistische Situation, aber für mich choreographisch zum Gähnen. Leider waren die Gruppenszenen nicht präzise sondern zerfielen wiederholt, falls dieses Zerfallen (nicht?) gewollt war. Was aber ein solches Zerfallen einer von mir als homogene „gesunde Gesellschaft“, der Munch nicht angehörte ausdrücken könnte blieb mir uneinsichtig.
    Also aus meiner Sicht alles missraten? Nein. Die letzten kleinen Szenen, das Ringen des Pflegers mit dem Kranken in der Zwangsjacke, ausserhalb der Anstalt vor dem Vorhang, in der die Zwangsjacke zwischen beiden hin und herwechselte schien mir eine tänzerische Diskussion zu sein, wer ist denn hier verrückt? Edvard oder die Gesellschaft. Aber auch die Dreierszene eines spielerisch Ringens, möglicherweise zwischen den seelischen Zuständen Edvards, oder Todeskämpfe von Edvard, Mutter und Schwester zu interpretieren war mir in seiner tänzerischen Vielfalt und Präzision sehenswert.
    Anmerkung am Rande: dass im Programmheft die Komponisten der verwendeten Lieder nicht genannt wurden ist ein fauxpas.

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