Kulturjournalismus: Christine Gorny und Rolf Stein zu Gast

Theaterklatsch am 25.04.2016 – ein Resümee 

Drei Monate nach dem ersten Theaterklatsch des Jahres im Januar hieß es im April-Klatsch: Wie ist denn das mit dem Kulturjournalismus eigentlich?

Um am die Fragen, die uns unter den Nägeln brannten, zu beantworten, waren gleich zwei Gäste eingeladen: Radio Bremen-Moderatorin Christine Gorny und Journalist Rolf Stein von der Kreiszeitung, der übrigens früher eigentlich Zoologe werden wollte. Tja, am Ende ist er doch bei uns gelandet.

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„Wie schnell eine Gesellschaft sich radikal wenden und verändern kann, wie plötzlich Fragen aufkommen, die man sich vorher nicht gestellt hat und wie alle gemeinsam daran wachsen und zerbrechen können – das fasziniert mich“, stellt Christine begeistert fest.

Auch für Rolf sind es bestimmte Themen, die den Reiz eines Theaterstückes ausmachen: „Das ist ja das tolle an unserem Job. Wir können nach Interesse und Affinität auswählen, worüber wir schreiben.“ Kurzer Funfact zwischendurch: Rolf Stein hat vor seiner Anstellung bei der Kreiszeitung als freier Autor unter dem Pseudonym Andreas Schnell geschrieben. Ein Relikt aus seiner Zeit als aktiver Musiker.

War früher eigentlich alles besser?

„Verliert die Kulturkritik an Bedeutung?„, kam die Frage aus dem Publikum. Geht es um Kultur, darf diese Frage (natürlich) nicht fehlen. Rolf meint, es sei nicht nur eine Krise der Kulturkritik – sondern eine Krise der Kulturbranche selbst. Zu wenig Fördergelder und kaum freie Arbeitsstellen im kulturellen Sektor. Dass dann auch der Platz in den Medien verschwindet, wunder ihn nicht. „Früher hatte die taz Bremen noch viel mehr Kulturseiten, heute ist der Platz knapp„, erklärt der Bremer. Christine bestätigte das und ergänzte: „Auch im Radio haben wir oft wenig Zeit für Berichte. In diesem Job lernt man aber schon früh, Informationen so gut es geht zu verdichten„. Rolf stellt außerdem fest: Ja, das Web 2.0 verändert den Kulturjournalismus. Ob das immer schlecht ist? Nicht unbedingt. Zwar „tippen die Menschen im Netz ihre !!!!!!! sehr schnell und vielleicht übereilt„, so der Journalist, „aber nirgends ist das Feedback direkter„. Denn Alltagsbetrieb sei das mit dem Feedback so eine Sache: Kritik zur verfassten Kritik kommt selten über Leserbriefe oder Höreranrufe. An diese Stelle tritt heute das Web 2.0, das den Usern die Möglichkeit gibt, zu reagieren – wenn sie denn etwas zu sagen haben.

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Spannend war auch die Publikumsfrage, wie man sich auf so einen Auftrag am besten vorbereiten könne: „Internet hilft!„, so die klare Antwort der Gäste. Von der Biografie des Regisseurs bis hin zu bereits bekannten Inszenierungen wird alles einmal gecheckt. „Am liebten spreche ich vor oder nach dem Stück auch noch mit den Beteiligten. Dann habe ich hoffentlich ein noch umfassenderes Bild vom Thema„, beschreibt Christine ihr Vorgehen.

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Und wenn’s euch richtig langweilt?

Dann schreiben wir das auf!„, finden beide Gäste eindeutig. Etwas in den Himmel zu loben, wenn es nicht gefallen hat – das gebe es bei Christine und Rolf nicht. „Aber auch darin liegt die Kunst – deutlich zu machen, warum etwas nicht bei mir Klick gemacht hat„, betont Christine. Es ginge nicht darum, Zuschauer vor einer Inszenierung zu warnen und eine Empfehlung zum Nicht-Hingehen auszusprechen. Vielmehr kann eine negative Kritik ja auch Anlass geben, sich selbst zu überzeugen, was da auf der Bühne so passiert. Das ist wohl der wichtigste Aspekt von Kulturkritiken: Sie sollen einordnen, nicht kategorisch festlegen. So vielfältig wie Rezensionen selbst nun einmal sind, sind auch die Geschmäcker des Publikums. Und das ist auch gut so. Auch den meist wortgewandten Kulturrezensenten fehlen manchmal einfach die Worte – zum Beispiel wenn ein Stück sie kaltlässt oder nicht abholt:

Aber wir sind eben auch nur Menschen. Manchmal ist Haltung entwickeln gar nicht so leicht. Dann ist man mit seiner Kritik auch nicht ganz so zufrieden„, nimmt Rolf den künftigen Kulturkritikern die Angst.

In einem Punkt sind sich beide einig: Über Kultur zu schreiben, das macht Spaß. Besonders dann, wenn man sich die Themen allein aussuchen darf. Hoffentlich hören und lesen wir noch viel, viel mehr von Christine und Rolf!

Julia Makowski

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