Opus 14 – Eine Produktion von Kader Attou, Compagnie Accrorap

– 19. März 2017 –

Wenn ich alleine ins Theater gehe, dann bin ich immer besonders wachsam. Alle meine Sinne sind dann geschärft, mir scheint es dann häufig so, als könne ich 360° um mich herum alles was passiert, wahrnehmen. Das war gestern Abend, bei der Vorführung des Stückes Opus 14 im Rahmen des Bremer Tanz Festivals, etwas anders.

Den gesamten Tag hatte ich am Schreibtisch gesessen. Wieder einmal saß ich, diesmal allerdings im Theatersessel des Theater Bremens. Sitzen ist nicht der rechte Ausdruck, sinken scheint mir passender. Ich war gebannt von dem, was auf der Bühne geschah und nahm nichts um mich herum war. An dem gestrigen Abend schien es mir als ob, je höher die TänzerInnen auf der Bühne sprangen, je schneller sie ihre Posen wechselten und je wagemutiger sie sich in die Figuren schmissen, ich dagegen umso tiefer in mir zusammen sackte. Meine Ehrfurcht vor den Bewegungen, die ich dort auf der Bühne so hautnah miterlebte, ließ mich die Gravitation für mich sehr deutlich werden.

Ohne Frage; die 14 Tänzer und zwei Tänzerinnen der Compagnie Accrorap, die heute Abend unter künstlerischer Leitung von Kader Attou über die Bühne fegten, haben es ziemlich drauf. Die 70 Minuten, die sie gestern Abend in der Produktion Opus 14 tanzten, wurden letzten Endes vom Publikum mit „standing ovations“ belohnt. Enthusiastisches Klatschen war das Mindeste, das vom Publikum am Ende für diese Performance zurückgegeben werden konnte. Die Bewegungen der TänzerInnen waren fantastisch.

Aber meine eigene Fantasie tat sich schwer damit, die Geschichte, die auf der Bühne erzählt wurde, weiterzuspinnen. Neben meiner ästhetischen Bewunderung und dem zwischenzeitlichen von mir wahrgenommenen Flow der Produktion, der auf mich dann überschwappte, bin ich im Laufe des Abends auch immer wieder in meiner Wahrnehmung stecken geblieben, im Geschehen auf der Bühne. Worum ging es Kader Attou in diesem Stück? War etwa das Hip Hop-Tanzen selbst Thema der Produktion?

Im Programmheft wird der Choreograph Attou unter Anderem mit folgenden Worten zur Beschreibung des Stückes zitiert: „Wie spielen die Tänzer mit den Grenzen der Schwerkraft, einem fundamentalen Prinzip der Bewegung? Wie wenden sie die Idee von Leichtigkeit im schwerelosen Raum an?“

Leichtigkeit im schwerelosen Raum, das scheint mir kompliziert. Ist dann nicht eh alles leicht? Vielleicht, ist dann das Sich-Schwer-Fühlen, der Zustand der Leichtigkeit mit sich bringt. Denn im schwerelosen Raum ist Schwersein bestimmt eine sehr attraktive Vorstellung. Schwer wirkten die Bewegungen der TänzerInnen an diesem Abend ganz bestimmt nicht, und doch stand den KünstlerInnen am Ende des Stücks die Anstrengung (und Erleichterung) ins Gesicht geschrieben. Ihre Bewegungen erforderten (Wage-)Mut, Kraft und Technik. Zuzusehen hat mir gefallen, doch mir fällt es nach wie vor schwer zu greifen, was ich auf der Bühne gesehen habe – aber vielleicht hatte Kader Attou auch genau das gewollt.

Nach diesem, für mich zweiten, im Vergleich zum ersten vollkommen verschiedenen Festivaltag ist eines für mich klar: Es bleibt spannend, was mich in den nächsten Stücken erwarten wird!

Text: Judith

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